Freie Stillarbeit / Freie Studien

Während der Vernetzte Unterricht in seiner epochalen Anordnung, seiner handlungsorientierten und projektartigen Ausgestaltung in der Marchtaler-Plan-Pädagogik das Prinzip der >vita activa< verkörpert, vertritt die Freie Stillarbeit als Gegenpol die >vita contemplativa<.

Sie ist eine Form schulischen Arbeitens, die die Individualität der Schülerin/ des Schülers in die Mitte des pädagogischen Bemühens stellt und seinen >sensitiven Phasen< (Maria Montessori) Rechnung trägt. Die Lehrerinnen und Lehrer führen den jungen Menschen mittels der vorbereiteten Umgebung und vor allem durch geeignete Selbstbildungsmaterialien, die aus allen Lebensbereichen und aus allen Unterrichtsbereichen gewonnen werden können, an das Bildungsgut heran. Dabei wird dem Schüler/ der Schülerin die Wahl des Arbeitsthemas, die Arbeits- und Zeiteinteilung, die Wahl der Partner, des Arbeitsplatzes und die Form des Arbeitsergebnisses in Freiheit zugetraut. Die freie Wahl der Arbeit fördert den Drang nach Erkenntnis. Das Miteinander in der Arbeitsform übt soziales Verhalten ein. Eigenes Tun dient der Aktivierung des Geistes und der Persönlichkeitsbildung.

Freie Stillarbeit ist - zumindest partiell - untrennbar verbunden mit meditativem Tun; ohne diese meditative Komponente, die als wesentliche pädagogische Kategorie das Staunen einschließt, kann sie auf Dauer nicht gelingen.

Sie zielt auch nicht primär auf Wissenserwerb, sondern ist getragen von der Achtung vor der sich in ihr entfaltenden Persönlichkeit des jungen Menschen. Sie ist nicht nur Zu-Trauen, sondern auch Zu-Mutung, ist nicht der Weg des geringsten Widerstandes, sondern die Chance, dem jungen Menschen in relativer Freiheit den Weg zum eigenen Ich, zur Personwerdung durch die Entwicklung von Individualität und gleichzeitiger Förderung der Sozialität zu eröffnen.

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